Polnische Ostsee – von Swinemünde bis Łeba

Polen

Dass Polen für die meisten nicht das klassische Reiseland ist, wird wohl jeder genauso sehen. Die Gründe hierfür liegen auf der einen Seite mit Sicherheit an der politischen Vergangenheit (oder aber auch Gegenwart); andererseits haben sich jedoch auch eine Menge Vorurteile aufgebaut bzw. gehalten. Ich will hier nicht den Versuch unternehmen, diese Vorurteile abzubauen oder den Leser davon überzeugen, sein Weltbild unseren östlichen Nachbar betreffend zu überdenken oder gar zu revidieren. Ich möchte hier nur kurze persönliche Eindrücke unserer Reise die polnische Ostsee entlang bis Danzig wiedergeben. In diesem oder jenem meiner Filmchen kann man sich selbst zumindest über die Straßenverhältnisse und die Landschaft ansatzweise ein eigenes Bild machen.

Wir starten unsere Tour auf Usedom, nehmen in Swinemünde die Fähre und fahren dann an der Küste entlang Richtung Rewal. Hier sind die Straßenverhältnisse ab und zu grenzwertig, aber überall versucht man, dieses Problem zu beseitigen.

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Ostseestrand

In Rewal steuern wir einen Campingplatz an, werden an der Rezeption in deutscher Sprache begrüßt und sind etwas erstaunt darüber, dass ein taugliches WLAN – Netz wie selbstverständlich zur ansonsten auch guten Ausstattung gehört. Über einen kleinen Weg oberhalb des Strandes gelangt man in den Teil von Rewal, wo sich kleine oder größere Essslokale aneinanderreihen. Hier wird für jeden Geschmack und für jeden Geldbeutel das Passende angeboten. Wir entscheiden uns für ein Fischlokal mit Meerblick, wo wir auch unseren ersten Abend in Polen ausklingen lassen. Das war schon mal vielversprechend für den Anfang.
Wir bleiben noch zwei weitere Tage, weil das Wetter sich von seiner besten Seite zeigt und uns der klometerlange Strand in seiner Ursprünglichkeit dazu einlädt. Keine Strandkorbreihen oder Hotdog-Verkäufer, wie man sie von der deutschen Ostseeküste mittlerweile gewohnt ist. Abends genießen wir die obligatorische Sonnenuntergangszeit, wenn sich alle Urlauber am Strand mit einem Fläschchen einfinden und ehrfürchtig den Himmel beobachten, wie er sich langsam knallrot einfärbt. Diese romantische Szenerie täuscht auch darüber hinweg, dass das Städtchen von den Nachmittagsstunden an zur Party- bzw. Unterhaltungszone avanciert. Überall entlocken aufgestellte Automaten vor allen den Kindern und Jugendlichen das Geld, über Lautsprecherwagen versuchen diverse Clubs die Urlauber zu einem Besuch zu animieren und Straßenkünstler und -händler runden das Bild ab, dass man hier in den Urlaubsorten nicht nur Entspannung und Erholung, sondern Abwechslung und Unterhaltung sucht und auch findet. Dieses Bild erleben wir in den anderen Städten an der Küste in ähnlicher Form, manchmal sogar noch extremer.

Allabendliches Farbenspiel
Allabendliches Farbenspiel

Nach den Tagen in Rewal machen wir uns auf den Weg und fahren Richtung Kolberg (Kołobrzeg). Hier erwartet uns ebenfalls ein langer, breiter, naturbelassener Strand und ein Städchen, welches neben einigen sehenswerten Bauwerken, wie dem Kolberger Dom oder dem Alten Rathaus eine schöne wieder aufgebaute Altstadt besitzt, die uns zu einem Bummel einlädt, bei dem wir interessiert die Preise der uns bekannten Waren vergleichen und immer wieder typisch Polnisches suchen. Kołobrzeg lebt mittlerweile hauptsächlich von den vielen Feriengästen, die in den Sommermonaten in Scharen kommen und Strand und Stadt bevölkern. Bekannt geworden ist die Stadt gerade bei Jugendlichen durch große Festivals, die auch viele Besucher aus Deutschland anziehen. Wir sind während des Sunrise Festivals dort, welches aber natürlich ausverkauft ist. So begnügen wir uns damit, in einer kleinen Strandbar bei Sonnenuntergang einer Amateurband zu lauschen, die sich nicht nur an polnischen Gassenhauern, sondern immer wieder ganz erfolgreich an Dire Straits oder Pink Floyd versucht. Uns fällt auf unserer Reise immer wieder auf, dass Livemusik hier noch einen anderen Stellenwert besitzt als bei uns. Jedes Lokal, welches  etwas auf sich hält, bietet zumindest an einigen Tagen während der Woche handmade Musik. Für viele Leute mag dieser Umstand keine Rolle spielen, aber uns als ehemalige Musiker gefällt das sehr.

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Polnisches Dorf im Hinterland

Bevor wir an der Küste weiterfahren, machen wir eine Abstecher durchs Landesinnere, um uns ein Bild von den Lebensumständen der Menschen zu machen, die nicht vom Tourismus tangiert werden. Hier treffen wir größtenteils auf sehr einfache Dörfer oder landwirtschaftlich geprägte Kleinstsiedlungen, auf umfangreiche oder weniger umfangreiche Baumaßnahmen und auf hilfsbreite und freundliche Menschen, bei denen wir keinen Augenblick das Gefühl haben, dass sie uns mit einem Hintergedanken helfen wollen, sondern aus ehrlich gemeinter Hilfsbereitschaft. Große Waldgebiete, Seen, kleine Dorfflecken, blumengeschmückte Wegekreuze und natürlich Storchennester prägen das Bild. In einem kleinen Tante-Emma-Laden füllen wir unsere Vorräte auf und sind froh darüber, dass es die Discounterketten noch nicht ganz geschafft haben, jeden Landstrich mit ihrer Einheitsware zu überschwemmen.

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Wanderdünen im Slowinski Nationalpark

Wir fahren wieder Richtung polnische Ostsee – Küste, wo unsere nächste Station Łeba sein soll, an den Teil der polnischen Ostsee also, wo die weitläufigen, feinsandigen Wanderdünen die größte Attraktion der Region sind. Łeba selber mit seinem kleinen Hafen, wo allmorgentlich fangfrischer Fisch angeboten wird, ist, wie wir das schon aus Kołobrzeg  und Rewal kennen, ganz in der Hand der Touristen. Kleine Verkaufsstände reihen sich auf der Hauptstraße aneinander, überall locken Fischbratereien und die Partyschiffe verlassen in kurzen Abständen den Hafen. Gleich mehrere Campingplätze stehen hier zur Auswahl, wobei wir uns für den sehr gut ausgestatteten direkt am Strand liegenden Nr 48 „Przymorze“ entscheiden, der zwar etwas teurer ist, als wir das bisher gewohnt sind. Ausstattung und Lage rechtfertigen aber diesen Preis, zumal der erheblich niedriger ist als bei vergleichbaren Campingplätzen in Deutschland, Holland oder gar Italien.
Am nächsten Morgen machen wir uns früh mit dem Rad auf den Weg Richtung  Slowinski Nationalpark, der aufgrund seiner bis zu 50m hohen Wanderdünen der Touristenmagnet schlechthin ist. Der Parkplatz am Eingang des Parkes liegt ca. 1,5 km außerhalb von Łeba. Von hier kommt man mit Kutsche, Elektrobahn oder wie wir mit dem Rad zu den noch einmal 3,5 km entfernten Dünen, zu dem Teil des Parkes, der auch „Polnische Sahara“ genannt wird. Die Düne „wandert“ jedes Jahr 12 Meter weiter, begräbt auf ihrem Weg Bäume und jegliche Vegetation und hat auch schon das Dorf Lacka in der Vergangenheit überrannt. Der Weg über die Dünen führt zum Strand, der hier breit und wenig besucht ist, da der Weg bisweilen schon äußerst beschwerlich ist. Hier zeigt sich die polnische Ostsee jedoch von ihrer schönsten Seite. Da man sich hier fernab der Zivilisation befindet, sollte man auf jeden Fall an nötige Verpflegung bzw. Wasser denken, wenn man diesen Ort beeindruckender Natur für ein paar Stunden genießen möchte. In diesem Teil hat uns jedenfalls die polnische Ostsee sehr beeindruckt.
Wir fahren am nächsten Tag noch einmal in den Park und setzen dann unsere Reise Richtung Danzig fort. In dem kleinen Filmchen unten kann man sich ein Bild unserer Reise machen….

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