Wohnmobiltour 2018 Frankreich Normandie (1)

Fahrt ans Meer

Le Touquet-Paris-Plage
Le Touquet-Paris-Plage

Die Liste der von uns genutzten Stell- bzw. Campingplätze findet ihr am Ende dieses Beitrags.

Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Brügge fahren wir nun weiter Richtung Südwesten ans Meer, vorbei an Dünkirchen und Calais. Hier überqueren wir die Gleise, die zum Eurotunnel führen, das Gebiet also, welches vor nicht allzu langer Zeit fast täglich für Schlagzeilen nicht nur in Frankreich sorgte. Die Bahntrassen sind mittlerweile von hohen Stacheldrahtzäunen umgeben und das ganze Szenarium wirkt auf uns eher bedrückend. Hinter Calais entscheiden wir uns wegen des schönen Wetters die Küstenstraße zu nehmen, so dass wir hier und da eine kleine Pause einlegen und den Blick auf die Straße von Dover genießen. Ziel unserer Etappe ist Le Touquet-Paris-Plage, etwa 40km weiter südlich von Boulogne-sur-Mer gelegen. Wie der Name schon sagt, entwickelte sich der kleine Badeort wegen der verkehrsgünstigen Lage zu einem von Parisern bevorzugten Strandbad. Dass den Ort auch heute noch viele Pariser aufsuchen, ist allein an der Vielzahl der Boutiquen mit ausgefallener Mode zu erkennen. Da wir am Wochenende ankommen, Nationalfeiertag ist und am nächsten Tag das Endspiel der Fußball-WM mit französicher

Le Touquet-Paris-Plage
Le Touquet-Paris-Plage

Beteiligung stattfindet, ist der Wohnmobilstellplatz am Nordrand der Stadt hoffnungslos überfüllt, so dass wir einen kleinen Familiencampingplatz etwas außerhalb ansteuern, auf dem wir noch ein letztes Plätzchen finden. Auf einer ersten Tour ans Meer werden wir auf ein kleines Restaurantboot aufmerksam. Zu köstlichen Meeresfrüchten lauschen wir der „handmade“ Jazzmusik und lassen uns lassen von der langsam aufkommenden Partylaune der Franzosen mitreißen. Das übliche Feuerwerk über dem Meer (was wir in den vergangenen Jahren an diversen Orten schon erlebt hatten) beschließt den Abend und lässt uns leicht erahnen, was am nächsten Tag los sein wird, wenn Frankreich die FIFA-WM gewinnen sollte.

Strand und gute Laune

Die Sonne am nächsten Tag hält uns nicht lange am Wohnmobil, sondern wir machen uns auf, ein ruhiges Plätzchen am Strand zu finden, was komischerweise nicht sonderlich schwierig ist. Nur ein paar hundert Meter weiter südlich von Le Touquet Paris Plage finden wir Strände, an denen man noch in Ruhe ein Buch lesen oder ein kleines Nickerchen halten kann, ohne von Geschrei oder lautem Palaver gestört zu werden.

Le Touquet-Paris-Plage
Le Touquet-Paris-Plage

Nur gut, dass fast alle Franzosen sich lieber dort aufhalten, wo es sich knubbelt – in diesem Fall direkt unterhalb der Strandpromenade des Badeortes. Als wir uns am frühen Nachmittag aufmachen, in der Stadt etwas zu essen, werden wir wieder daran erinnert, dass das Endspiel der WM in ein paar Stunden beginnt. Wir sind wahrscheinlich die einzigen, die ihr Outfit diesem Ereignis nicht angepasst haben. Alle Restaurants oder Pubs haben sich auf dieses fußballerische Highlight eingestellt und übertragen schon die Vorberichte auf Großbildschirmen. Als nachher beim Spiel das 1:0 für die Equipe Tricolor fällt, gleicht die ganze Stadt einer großen Partyzone und man kann sich der ausgelassenen Stimmung kaum entziehen, so dass wir irgendwann die Schlachtrufe bzw. die Marseillaise mitsingen können.

WM Endspiel
WM Endspiel

Als wir spät auf unseren kleinen Campingplatz zurückkehren, wird auch da noch gefeiert und wir werden eingeladen, beim Gläschen Wein mitzufeiern. Nach einem weiteren Strandtag brechen wir auf Richtung Le Tréport – Le Touquet-Paris-Plage sollte nur ein Zwischenstop sein auf dem Weg an die Côte d’Albâtre…..

Le Tréport

Montag, die Sonne scheint und Frankreich ist Fußballweltmeister. Da hat jeder gute Laune – sollte man zumindest meinen. Als wir den Stellplatz von Le Tréport, der sich direkt neben dem Camping Municipal les Boucaniers in der Rue Pierre Mendès France befindet, erreichen, streiten sich zwei Womofahrer. Dem einen geht wohl das Entsorgen des anderen nicht schnell genug, so dass ein heftiges Wortgefecht entsteht. Diesen Stress braucht man doch eigentlich nicht – im Urlaub schon mal gar nicht. Nachdem wir einen der wenigen freien Plätze bezogen haben, machen wir uns sofort auf den Weg zur Fischhalle – hier ist die Auswahl an frischem Fisch erfahrungsgemäß sehr groß.

Le Tréport - Leuchtturm
Le Tréport – Leuchtturm

Die Stadt erreicht man mit dem Fahrrad (aber auch zu Fuß) sehr gut zu, sodass wir nach wenigen Minuten vor der riesigen Auswahl an Meerestieren und -früchten stehen. Unser Einkauf wird sofort in unserer kleinen Kühlbox an userem Roller verstaut, so dass wir anschließend noch in einem der vielen Straßenlokale bei einem Pastis das mittägliche Treiben beobachten, bevor wir dann auf die andere Seite der Bucht nach Mers-les-Bains fahren.

Mers-les-Bains

Hier ist nicht nur der (Kies)strand mit den sich nach Nordosten anschließenden steilen Kreideklippen interessanter, sondern auch die sich direkt hinter der Promenade aneinanderreihenden alten Villen sind absolut sehenswert. Die unter Denkmalschutz stehenden Häuser, von denen die meisten relativ gut erhalten sind – obwohl ständig der Meereswitterung ausgesetzt – zeugen von der Zeit, zu der der wohlhabende Teil der Pariser Bevölkerung den kleinen Ort zu einem beliebten Badeort machte.

Kreideküste
Kreideküste

Am Ende der Strandpromenade befindet sich im übrigen oberhalb der Flesen noch der Camping de la Falaise, der wegen seiner schönen Lage vielleicht mal bei einem nächsten Besuch eine Alternative sein könnte….

Ètretat

Felsen von Étretat
Felsen von Étretat

Am nächsten Tag fahren wir weiter süd-westlich. Wir wollen noch einmal die wohl bekanntesten Felsen des Küstenabschnittes bei Étretat ansehen. Da es das Wetter auch an diesem Tag gut mit uns meint, entscheiden wir uns, in der Nähe von Yport eine Pause einzulegen, um ein paar Stündchen am Strand den herrlichen Sonnenschein zu genießen. Die Idee war im Nachhinein nicht so gut; denn als wir den Stellplatz von Ètretat anfahren, ist dieser bis auf den letzten Platz belegt. Auch der sich gleich neban befindende Camping Municipal hat das bei Campern wohl unbeliebteste Schild vor seiner Einfahrt platziert: belegt.

Campingplatz L’Aiguille Creuse

Wir fahren daraufhin zu dem ca 5 km entfernt in dem kleinen Örtchen Les Loges gelegenen Campingplatz L’Aiguille Creuse. Dieser mit 4 Sternen ausgezeichnete Platz bietet für einen relativ moderaten Preis nicht nur das übliche Campingplatz-Ambiente, sondern auch einen überdachten Pool. Bei dem fast schon heißen Sommerwetter gefällt uns das natürlich. Eine kleine Snackbar und ein gr0ßer Spielplatz für die kleineren Gäste tragen dazu bei, dass man hier eigentlich nichts vermissen muss.

Das Meer und die Küste

Yport
Yport

Mit unserem Motorroller (hier reichen aber auch Fahrräder, die man zur Not an der Rezeption mieten kan) sind wir so flexibel, dass wir die kurzen Wege zu den Felsformationen von Ètretat nicht vermissen, im Gegenteil: In der Nähe von Les Loges gibt es einige Möglichkeiten ans Meer zu gelangen, wo man dann Strände (natürlich Kiesstrände) findet, an denen man die absolute Ruhe findet. Neben dem gleichmäßigen Plätschern der Wellen hört man vielleicht noch den Schrei einer Möwe.

Côte d'Albâtre
Côte d’Albâtre

Man sollte sich auch unbedingt mal Zeit nehmen und den Wanderweg oberhalb der Steilküste abseits der Touristenorte laufen. Hier wird man belohnt durch die teilweise fantastischen Ausblicke auf die wunderschöne Küstenlandschaft.
Natürlich ist ein Besuch der Felsen von Ètretat während unseres Aufenthaltes Pflicht, wobei die Touristenmassen, die sich die Pfade hinauf auf die Felsen schlängeln, grenzwertig sind – es ist noch nicht Hauptsaison. Da möchte man sich nicht vorstellen, was hier im August los ist. Die Aussicht aber entschädigt schon und wenn man etwas weiter südlich wandert, findet man auch ein Plätzchen, um in aller Ruhe den waghalsigen Flug der Möwen entlang der steilen Felsen zu beobachten.

Hafen von Yport
Hafen von Yport

Wenn man die Küste entlang weiter nach Nordosten fährt, kommt man ab und an durch kleine verschlafene Dörfer, bestehend aus Kirche mit obligatorischem Friedhof, einer Bar bzw. kleinem Restaurant und einigen Wohn- und Bauernhäusern. Obwohl nur einige Kilometer von den Spots der Küste entfernt, scheint hier die Zeit stehengeblieben zu sein. Ähnliches gilt auch für das kleine ehemalige Fischerdorf Yport. Hier zeugen die bunten Fischerbote von einer Zeit, in der der Tourismus noch nicht Haupteinnahmequelle war. Sie haben selbst so renomierte Künster wie Claude Monet (Aquarell Les falaises à Yport, 1861) zu künstlerischem Schaffen angeregt. Sehenswert!
Nach ein paar Tagen Aufenthalt in diesem überaus schönen Teil der vielfältigen Küstenlandschaft der Normandie setzen wir unsere Fahrt fort in Richtung der sogenannten Blumenküste, die landschaftlich wiederum ganz anders ist, aber deswegen nicht minder interessant….. (Teil 2)

Genutzte Camping- bzw. Stellplätze:

Le Touquet-Paris-Plage: Camping Le Côte d’Opale – ca 18 € pro Nacht (Mobil und 2 Personen) – ca 5km vom Stadtzentrum von Le Bouquet-Paris-Plage entfernt

Le Tréport:  Wohnmobilstellplatz Le Tréport in der Rue Pierre Mèndes France – 10 € pro Nacht

Étretat:  Campingplatz L’Aiguille Creuse in Les Loges ca 5km von Étretat entfernt – ca 26 € pro Nacht (Stellplatz mit Strom)

 

 

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